Aktuelles
Bis zu 75 Jahre Vereinstreue: Vier Gustorfer Jubilare im Porträt
14. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Toni Esser, Hubert Eßer, Martin Lüttgen und Paul Müller werden für 75, 65 beziehungsweise 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Vier Porträts aus dem Vereinsleben.
Sie haben Züge und Vereine mitgestaltet, Königspaare begleitet, Fackeln gebaut und ihren Kameraden ein zweites Zuhause gegeben: Toni Esser, Hubert Eßer, Martin Lüttgen und Paul Müller stehen für viele Jahrzehnte Gustorfer Schützenleben. Beim Festbankett am Sonntag, 27. September 2026, ehrt der Bürger-Schützenverein Gustorf Toni Esser für 75 Jahre Mitgliedschaft, Hubert Eßer und Martin Lüttgen für jeweils 65 Jahre sowie Paul Müller für 50 Jahre. Das Festbankett beginnt um 10.45 Uhr im Festzelt.
Toni Esser: Bäcker, Karnevalist und ein Leben lang Schütze
Als Bäcker und Konditor, als Karnevalsprinz und als Schütze hat Toni Esser das Gustorfer Vereins- und Ortsleben mitgeprägt. Der 91-Jährige gehört dem 5. Jägerzug „Edelweiß“ an.
Im 5. Jägerzug war Esser zehn Jahre stellvertretender Zugführer, außerdem Fahnenoffizier und 1967 Zugkönig. 1973 begleitete er gemeinsam mit Manfred Holz das Schützenkönigspaar Franz und Margarethe Hebbering als Adjutant. Das Tambourcorps „Erftklänge Gustorf/Gindorf“ zählt ihn zu seinen Gründungsmitgliedern.
Gemeinsam mit seiner Frau Annemarie führte er bis zum Ruhestand im Jahr 2000 die Bäckerei und Konditorei an der Mittelstraße. In seiner Freizeit gehörte neben dem Schützenwesen auch der Karneval dazu: Beim „Närrischen Sprötztrupp“ stand Esser als Prinz im Dreigestirn auf der Bühne und wirkte später 20 Jahre lang als Elferratspräsident. Aus einem Frühschoppen entwickelte er eine Prunksitzung, die schon zur Premiere rund 600 Besucher ins Festzelt lockte.
Auch sportlich war Esser vielseitig. Als junger Fußballer schaffte er es bis in die Kreis- und Niederrheinauswahl, als Langstreckenläufer war er beim Deutschen Turnverein aktiv. Zu seinen weiteren Freizeitbeschäftigungen gehörten Tennis, Reiten und die Jagd.
Hubert Eßer: Seinem Zug „Edelweiß“ bis heute verbunden
Zweimal begleitete Hubert Eßer ein Gustorfer Königspaar als Adjutant, mit 40 Jahren Abstand: 1974 stand er Gerd und Helmi Richter zur Seite, 2014 Hermi und Maria Franzen. Seit 65 Jahren ist er dem BSV und seinem 5. Jägerzug „Edelweiß“ verbunden.
Dem BSV und seinem Zug trat Eßer gleichzeitig bei. Als er zu „Edelweiß“ kam, führte Werner Schiffer, vielen als „Lupp’s Werner“ bekannt, die Gemeinschaft. 1966 wurde Eßer selbst Zugkönig. Neben seinen Aufgaben als Königsadjutant wirkte er 16 Jahre lang als Adjutant an der Seite des Ehrenjägermajors Gerd „Casa“ Richter.
Sein Einsatz beschränkte sich nicht auf den eigenen Zug. Hubert Eßer arbeitete lange im Vereinsvorstand des BSV mit und gehörte zu den Mitgründern des Tambourcorps „Erftklänge“ Gustorf-Gindorf. Auch im Elferrat des Närrischen Sprötztrupps und im Kegelclub „Op jood Glöck“ war er dabei.
Inzwischen marschiert Eßer nicht mehr als aktiver Schütze mit. Zur Zugfamilie gehört er weiter ganz selbstverständlich: Er besucht Versammlungen und Veranstaltungen und fährt bei den mehrtägigen Ausflügen mit. Zu den gemeinsamen Reisezielen gehören Finteln, Bamberg und Dorf Münsterland. So stehen hinter seinen 65 Schützenjahren auch viele Jahre gemeinsam verbrachter Freizeit.
Martin Lüttgen: Gastgeber für die „Jusdörper Jonge“
Für die „Jusdörper Jonge“ war Martin Lüttgen über viele Jahre auch Gastgeber: Er stellte dem Zug seine liebevoll eingerichteten Räume als Versammlungsort und Schützenzimmer zur Verfügung. Hier fand die Gemeinschaft einen vertrauten Treffpunkt für ihr Zugleben.
Lüttgens Schützenlaufbahn begann 1961 im Grenadiercorps. 2004 fand er im 11. Jägerzug „Jusdörper Jonge“ seine zweite Schützenheimat. Beruflich kümmerte er sich um die Pflege der Außenanlagen des Kraftwerks Frimmersdorf.
Seine Gastfreundschaft ist den Kameraden ebenso in Erinnerung geblieben wie die vielen Anekdoten, die er bei gemeinsamen Feiern erzählte. Bis heute schätzen sie seine Geschichten und die gut gemeinten, oft väterlichen Ratschläge, mit denen er das Zugleben über viele Jahre begleitete.
Auch wenn Martin Lüttgen heute nicht mehr aktiv mitmarschiert, besucht er weiterhin die Umzüge und das Festzelt. Die Verbindung zu seinen Zugkameraden ist geblieben.
Paul Müller: Fackelbauer mit einem doppelten Jubiläum
Paul Müller hat in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen zu feiern: Seit 50 Jahren gehört er dem 2. Jägerzug „In Treue fest“ an, mit seiner Frau Wiltrud feiert er Diamanthochzeit.
Seinen Weg in den Zug fand Müller 1976 über seinen Freund Heinz Gallus. Zwei Jahre zuvor war er nach Gustorf gezogen. Vor der Aufnahme wollten die Kameraden wissen, was der Neue zum Fackelbau beitragen konnte. Als gelernter Elektriker übernahm er die Verantwortung für die Stromversorgung an der Fackel. Damit stand seinem Eintritt nichts mehr im Weg.
Der Fackelbau wurde zu seiner großen Leidenschaft. Auch seine beruflichen Einsätze für die Maschinenfabrik Buckau R. Wolf im In- und Ausland hielten ihn kaum von den gemeinsamen Bauabenden ab. Nach getaner Arbeit saßen die Kameraden bei Maria Seulen zusammen, im heutigen „Brauhaus en d’r Post“, und besprachen die technischen und gestalterischen Ergebnisse. Seine Erfahrung brachte Müller auch als Fackelbaubeauftragter des BSV ein.
1984 wurde er Zugkönig. Bei den Weihnachtsfeiern teilte er sich mit Jürgen Fassbender und Hans Voigt die Rolle des Nikolaus. Als Mitglied der Redaktion wirkte er außerdem an der Chronik zum 150-jährigen Bestehen des 2. Jägerzuges mit und hielt dessen Geschichte für die nächsten Generationen fest.
Seine aktive Laufbahn als Oberfeldwebel endete 2007. Gemeinsam mit Wiltrud erwarb er ein Feriendomizil in Ediger-Eller an der Mittelmosel. Dort entdeckte er eine weitere Beschäftigung für sich: die Welt des Weines.
Die Ehrungen der Jubilare sind Teil des Festbanketts, das sich am Schützenfestsonntag an die Kirchenparade anschließt. Musikalisch gestalten das 1. Gustorfer Regiments-Tambourcorps und die Gustorfer Regimentskapelle BSK Neuss das Programm.